Hans Scheib in der Galerie Mutter Fourage: Ein Nachruf
- zentrumneuemusik
- 17. Apr.
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Aktualisiert: 24. Apr.


Hans Scheib in der Galerie Mutter Fourage
Ich hatte das große Glück, Hans Scheib während seiner Vernissage am 14.2.2026
in der Galerie Mutter Fourage wieder zu treffen. Er saß zwar inzwischen in einem Rollstuhl aber er war voller Enthusiasmus und berichtete noch von seinen vielen Plänen. Leider kam es nun anders.
Die Galerie Mutter Fourage unter der engagierten Leitung von Jens Kunath und Lea Gryze
hatte ihm noch eine Einzelausstellung vom 14.2 bis 29.3.2026 gewidmet. Die Galerie mit ihrem Standort abseits des lauten Berliner Kunstszene-Trubels in Berlin-Wannsee ist ein wunderbarer Ort der Contemplation. Diese Galerie fällt regelmäßig mit wunderbar kuratierten
Ausstellungen auf. Ein Schwerpunkt ist die Inszenierung von Künstlern der Berliner Secession. Aktuell zeigt sie Philipp Franck, dessen Werk ich als Berliner sehr verehre, und der einen besonderen Schwerpunkt der Galerie bildet. Gegenüber befindet sich ein sehr empfehlenswertes Cafe, das zu einer Nachbesprechung der Ausstellungen einlädt.
Allerdings zeigt die Galerie durchaus auch immer wieder zeitgenössische Künstler. Die Formate sind, das scheint die DNA der Galerie zu sein, auch für den Privatsammler vermittelbar- nicht umsonst verfügt die Galerie über ein treues Netz an Privatsammlern in Zehlendorf.
Anläßlich des Todes von Hans Scheib am 10.4.2026 werde ich daher etwas ausführlicher auf sein Werk eingehen.
Hans Scheib ist ein figurativer Bildhauer- ein deutlicher Kontrast zum Werk von Brancusi, gerade zu sehen in der Neuen Nationalgalerie. Wahrscheinlich als Folge seiner Ausbildung in Dresden entwickelte er eine expressive Formensprache, eine Kunstrichtung, die wir auch in der Malerei von Weggefährten in Dresden und Leipzig finden (z.B. Penck, Rauch).
Viele seiner Motive zeigen Schmerz, Trauer, Tod aber auch Annäherungen an Liebe und Erotik. Schablonen dieser Ausdrucksträger sind Kopfdarstellungen aber auch nackte Frauenkörper. Ähnlich wie bei Gottvater Giacometti sind die figürlichen Repräsentationen gelängt, feingliedrig, stehend oder auch graziös schreitend. Abweichend von vielen kunsthistorischen Vorbildern hat er die Oberflächen fein gearbeitet, beschichtet und farbliche Expressionsakzente gesetzt. So entstehen sensible erotische Signale ohne jedoch bestimmte Linien zu überschreiten. Seine bevorzugten Materialien sind Holz (häufiger) und Bronze, die aber aufgrund der Oberflächenbearbeitungen in der Regel nicht erkennbar werden.
Abgesehen von zwei Werken, u.a. eine Altararbeit aus Holz, bildeten die weiblichen Figurdarstellungen den Schwerpunkt der Ausstellung in der Galerie Mutter Fourage. Die Höhe der Figuren beträgt meist 160-170 cm, also lebensnah und auch für einen Privatsammler präsentabel.
In zahlreichen Ausstellungen war er über die Jahre repräsentiert, u.a. in der Ausstellung der Scharf-Gerstenberg Sammlung in 2025, zahlreiche Preise würdigten seinen neuen Ansatz in der Bildhauerei und in vielen öffentlichen Sammlungen bleibt er uns im Gedächtnis- als ein Künstler mit Brüchen und Zeuge schwerer Zeiten, der aber doch immer wieder der Zuversicht und Zukunft zugewandt blieb.
Weitere Informationen
Tagesspiegel Birgit Rieger
